augen

Mein virtuelles Bücherregal

1. Juli 2008 | Christiane Windhausen

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich meine Neugier im Netz ausbremsen mußte - einfach weil ich nach zehn Klicks nicht mehr wusste, wie ich die vielen Informationen in meinem Kopf sortieren sollte.

Dann hat Michael Holzer in unserem Workshop Netz und Netzwerk Theorie und Praxis des bookmarkings erläutern. In diesem Zusammenhang gab es eine Einführung in del.icio.us. Ich wusste sofort: Das ist meine persönliche Lösung für den Umgang mit Information im Netz. Auf einmal war mir klar: Unser Kopf ist nicht zum Speichern von Informationen gemacht, sondern zum Kreieren von neuen Möglichkeiten.

Jetzt besitze ich bei del.icio.us ein virtuelles Bücherregal, das sich Tag für Tag mit Links und Artikeln füllt, die ich während meiner Morgen- Stunde im Netz finde. Über die von mir gewählten Tags finde ich, was ich suche und kann schnell auf Quellen und Links zurückgreifen. Und alles ist nach meinem eigenen Ordnungssystem sortiert.

Jeden morgen bin ich aufs Neue begeistert - weil mein Gehirn nicht mehr mit unnötigen Informationen belastet ist und mehr Spielraum zum kreativen Denken und Fühlen hat… Im Gegensatz dazu erscheint mir mein materielles Bücherregal - in seiner permanenten Sichtbarkeit - manchmal richtig altmodisch.

Inzwischen weiß ich, wer im Internet auf interessanten Spuren unterwegs ist. Da jedes virtuelle Bücherregal im Netz sichtbar ist, kann ich auch bei ihnen schmökern (über ihre Feeds) … So wächst meine virtuelle Bibliothek - individuell recheriert und ausgewählt.

Auf diese Weise erlebe ich unter anderem hautnah mit, wie jüngere Generation sich im Netz bewegen, was sie interessiert und wie sie wählen. Das ist für mich die größte Inspiration. So habe ich bei Inga Oltersdorf zum Beispiel del.icio.us-Schätze gefunden, die ich selber nie entdeckt hätte.

Manchmal passt eines der vielen Internet-Tools ganz einfach zu einem.

Del.icio.us passt zu mir. Was passt zu dir?

… und dann bekommt jeder ein Aspirin

30. Juni 2008 | Christiane Windhausen

Einer meiner Freunde hat von seinem Arbeitgeber die Möglichkeit erhalten, an einem Leadership-Training teilzunehmen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie begeistert er vom Auswahl-Verfahren erzählt hat, bei dem mit Fragebögen und Interviews der individuelle Entwicklungsstand ermittelt wurde.
Als ich ihn das nächste Mal wiedersehe, hat er bereits an mehreren Seminaren teilgenommen und klingt enttäuscht: ‘Nach einer individuellen Analyse bekommt dann doch jeder ein Aspirin.’

Das Unternehmen hat hochqualifizierte Trainer gewählt. Sie investieren viel Geld und Know-how in die nächste Führungsgeneration. Und doch fehlt etwas Wesentliches - ein persönlicher Ansprechparner, der alle Inhalte mit einander - und mit dem Einzelnen - verbindet.

Nach dem Gespräch bin ich irgendwie traurig. Es wird so viel investiert - mit so geringer Wirkung… Die Analysen in einem Unternehmen sind genau und detailliert; doch wenn es dann darum geht, Menschen in die individuelle Umsetzung zu führen, fehlt oft der Mut zur leidenschaftlichen Nähe mit den nachfolgenden Generationen.

Es sind vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen, die uns bilden und fördern. So braucht es auf dem Weg von der Führungskraft zur Führungs-Persönlichkeit jemanden, der uns vor dem individuellen Hintergrund unserer Geschichte versteht und führt. Individualität kann nicht als Wissen oder Methodik vermittelt werden - dazu braucht es Vertrauen und eine mitmenschliche Beziehung. Jemand, der seine Erfahrungen (inklusive der Fehler) mit uns teilt, der uns in brisanten Situationen Mut macht, uns aber auch unsere Blindspots nicht erspart.

Was alles möglich wäre, wenn so ein Leadership-Training mit SONNOS kombiniert würde… Wenn ein fundiertes Konzept mit einem persönlichen Coaching für die individuellen Umsetzungen verbunden wäre… Ich bin mir sicher: Was wir gemeinsam bewegen wollen, könnte ganz zur Wirkung kommen. Und Teamarbeit wäre mit Freude und Leichtigkeit möglich.

Hat du schon einmal erlebt, dass jemand dein Bestes ins Leben gefördert hat? Und wodurch war das möglich?

Pseudonym - oder anonym?

29. Mai 2008 | Christiane Windhausen

Immer wieder lese ich in Blogs, die unter einem Pseudonym geführt werden oder in Kommentare, in denen jemand seine Meinung äußert - selber aber anonym bleibt. Mir ist aufgefallen, dass ich mich beim Lesen anders verbinde, wenn jemand mit seinem Namen zu dem steht, was er schreibt.

So beschäftiget mich seit einiger Zeit die Bedeutung von Pseudonymen in der Welt der Blogs. Wann sind sie notwendig und sinnvoll? Wann sind sie ein Ausdruck unserer persönlichen Kreativität? Und wann werden sie benutzt, um Meinung zu machen – ohne den eigenen Standpunkt persönlich zu verantworten?

Im 19. Jahrhundert haben viele Frauen unter einem männlichen Namen geschrieben, weil ihre Manuskripte sonst gar nicht bis in den Verlag gekommen wären. Ein Pseudonym war für sie damals der Weg in die Sichtbarkeit.

Unter einem Pseudonym zu schreiben kann auch eine kreative Glanzleistung sein: So werden literarische Kunstfiguren entwickelt, die uns erlaube, bestimmten Aspekten unserer Persönlichkeit Raum zu geben – ohne, dass sie gleich im Kontext unserer Alltags-Identität interpretiert werden.

In Ländern mit repressiven Regierungen sind Blogs oftmals ein Sprachrohr des Widerstands. Hier ist ein Pseudonym eine politische Notwendigkeit. Es ist überlebenswichtig, persönlich unsichtbar zu bleiben, weil die eigene Meinung mit dem Tod oder mit der Verfolgung der eigenen Familie bestraft wird.

Wir haben in Deutschland erfolgreich für die Meinungsfreiheit gekämpft.
Trotzdem haben viele Menschen Angst davor, sich persönlich sichtbar zu machen…

Ich lese am liebsten Blogs, in denen sich Kompetenz und Persönlichkeit verbinden. Mich interessiert nicht nur die inhaltliche Information, sondern auch der Mensch, der ihnen seine Sprache schenkt.

Wie geht es Ihnen mit den Namenlosen im Netz?

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Abi im Alleingang – aber gemeinsam.

22. Mai 2008 | Christiane Windhausen

Zehn Freiburger Schüler haben im letzten Jahr entschieden, sich von ihrer Schule zu verabschiedet und sich extern auf ihre Abiturprüfung vorzubereiten. Sie waren gefrustet vom Unterricht im 45-Minuten-Takt, der wenig Raum lässt für Lernen im eigenen Rhythmus.

Sie sind 19 Jahre alt. Sie haben gemeinsam das selbstbestimmtes Lernen gewählt. Sie riskieren etwas - für ihre Zukunft. Wenn sie ihr externes Abi nicht schaffen, erhalten sie lediglich den Hauptschulabschluss.

Sie haben einen Verein gegründet (deren Satzung wirklich lesenswert ist), sie haben einen Raum gemietet und Lehrer angeheuert. Am Anfang waren viele skeptisch, ob sie Lehrer finden werden, die sie bei diesem Projekt unterstützen. Es meldeten sich so viele, dass sie auswählen konnten. Sie treffen sich jeden Tag im Hinterhofsaal einer Pfarrei in Freiburg für ihren eigenen selbstorganisierten Lern-Alltag – ohne festen Stundenplan und ohne Gong.

50.000 Euro kostet sie ihr gemeinsames Abitur. Über Methodos e.V. werden Spendengelder gesammelt. Ihre Eltern unterstützen diesen Weg jeweils mit 150 Euro pro Monat. Und ihr Weg wird von der Pädagogischen Hochschule in Freiburg wissenschaftlich betreut.

Alles das haben sie sich selber ausgedacht. Ich bin begeistert von den Wegen der neuen Generation. Sie halten sich gar nicht erst mit Widerständen auf, sondern folgen ihrer Kreativität und entdecken damit Möglichkeiten, von denen ich gar nichts wusste… Sie gehen - in der Gemeinschaft mit anderen - einfach ihren eigenen Weg…

Jetzt stecken sie gerade mitten in ihren Abi-Prüfungen. Wer mehr über sie lesen will, findet bei Spiegel Online eine Chronologie ihres Weges: Lernen im Alleingang (10.07.2007), Bei Mathe kam das Nervenflattern (07.05.2008), Keine Schule - aber achtmal in der Prüfung (15.04.2008), Mit Bio haben wir uns verschätzt (19.05.2008).

Wie genau diese Jugendlichen wissen, was sie wollen und wie sie es umsetzen möchten…
Wie viele Lehrer leidenschaftlich gerne in einem anderen Lern-System arbeiten möchten…
Wie viele Eltern bereit sind, den unkonventionellen Weg ihrer Kinder zu unterstützen…

Ich habe in meinem Leben viel Lebenserfahrung gewandelt…
Die jungen Generation ist meine Quelle der Inspiration - für unsere Zukunft.

Wenn Bäume über Körper-Weisheit sprechen

14. Mai 2008 | Christiane Windhausen

Im Spiegel Online habe ich heute erfahren, dass sich im Körper eines Baumes seine Umwelt widerspiegelt. Wenn ich dort lese, das wir inzwischen anhand von Zell-Analysen ermitteln können, woher das Holz stammt, dass wir verwenden, dann weiß ich, dass sich in unserem Körper alle Spuren unseres gelebten Lebens wider finden lassen. Auch in unserem menschlichen Körper wird man sicherlich bald nachweisen können, in welchem Umfeld jemand groß geworden ist und welche Einflüsse ihn geprägt haben.

Im August findet unser Seminar Körper + Beziehung. Kompetenzen der Selbstführung im Umgang mit dem Körper statt. In diesem Workshop geht es darum, die Auswirkungen unserer emotionalen Erfahrungen auf unseren eigenen Körper zu erforschen und zu erlösen. Im Unterschied zu einem Baum besitzen wir nämlich die Möglichkeit, durch unser Bewusstsein unsere Ein-Prägungen auf der Zell-Ebene zu verändern.

Ich liebe die Weisheit der Bäume…
Und ich bestaune die Möglichkeiten unseres Körpers.